Archiv für Juli 2010
Píngyáo 25-26.07
31. Jul
- – - Völkerschlacht – - – Datong -> Pingyao 25.07
So geht es also weiter im Zug in die Nacht hinein. Mein heutiger Waggon stammt wohl leider noch aus Revolutionszeiten und ist statt mit Klimaanlage mit Ventilatoren ausgestattet. Immerhin ich hab ich eine Zelle mit funktionsfähigem erwischt. Man muss ja immer alles positiv sehen.
So sitze ich also bei entspannten 28° im Gang und lasse wie ein großer Bernhardiner Kopf und Zunge im Fahrtwind wedeln. Als ich die Schweißproduktion auf ein Minimum reduziert habe widme ich mich meinem Pfannkuchenbrot das ich Elbenbrot getauft habe. Mal sehen ob sich das etabliert…
So gesellt sich eine Dame mittleren Alters zu meiner Tafelrunde und bietet mir eines der bereits erwähnten Sojaeier an. Einziges Problem dabei war, dass es etwa nicht ein schönes tolles Ei ist, sondern drei Stück zusammen und zerbröselt in eine Tüte eingeschweißt sind. Meine europäisches Hirnareal schlägt sofort Alarm und ich lehne diplomatisch den Tütenauflauf ab. Doch sie bleibt hart wie Nikita Chruschtschow in der Kubakrise nur dass ihr kein Kennedy, sondern ein Ben gegenüber sitzt. Eine eigene Quarantäne Zone scheint nicht mehr möglich und das Brößeleiweiß schippert immer weiter in meine Richtung. Das Immunsystem geht auf DEFCON 2 um eine imminente Salmonellenattacke mit allen Mitteln abwehren zu können. Schließlich kann ich dem Druck nicht mehr stand halten und nehme eins.
Hmmm, etwas schwitzig.. ansonsten wie gekochtes Ei (wer hätte das erwartet -.-)
Ok erste Hürde geschafft, doch als wäre das nicht genug gesellt sich eine weitere Frau aus Zelle 13 zu uns und gibt mir irgendeine Frucht, welche ganz toll zum Elbenbrot schmecken soll. Grüne, profillose Schale, gelbe Kerne mit orangefarbenem Fruchtsabber drumrum, ziemlich hart, etwas größer als eine Avocado. Es scheint eine Art Volkssport Fremdlingen eigentümliche Sachen zu geben.
Ich lasse mir also erklären wie das Ding zu essen sei. In der Mitte aufbrechen, Kerne nicht Essen sondern aus dem Fenster schmeißen und dann einfach reinbeißen. Hm scheint etwas von Honigmelone zu haben nur härter und naja ich hab eigentlich nach wie vor keine Ahnung, war aber auch nicht schlecht. Nach so viel Neuem dachte ich natürlich sofort an einen Vergeltungsschlag wie ihn China noch nicht gesehen hat. Zuversichtlich holte ich meine interkontinentale Haribo-Roulette-Rakete aus dem Rucksack um ein Stück deutsche Süßigkeitenkunst in die Welt hinauszutragen. Ich offerierte also die grün-gelb-rot-weißen Scheiben meinen Mitreisenden, welche aber allesamt ablehnten. Auch weiteres Zutun half nichts… Wie gesagt kein Kennedy und chinesisch noch dazu.
Ein weiteres tolles an chinesischen Sleeper Zügen ist, dass man keine Angst haben muss seine Station zu verpassen. Man gibt sein Ticket einem Schaffner, den es in jedem Waggon mindestens einmal gibt, und bekommt dafür eine kreditkartenähnliche Plastikkarte auf der ebenfalls Waggon, Zelle und Bett steht. Der Schaffner ordnet das Ticket ordentlich in eine Mappe ein und vor jeder Station checkt er ob jemand aussteigen muss. Dieser wird dann geweckt und es wird wieder zurückgetauscht. Toll!
So ging ich also in mein Bett im Zweiten und schlummerte vor mich hin.
- – - Wilde Nacht, ruhiger Tag – - – Píngyáo 26.07
00:00 Uhr. Ich werde geweckt.
Die Lichter in den Abteilen sind inzwischen aus. Der Ventilator dröhnt und zieht unendlich seine Kreise. Ich tausche die Karten, suche mein Zeug zusammen und tappse in voller Montur Richtung Ausgang.
Bahnhof Pingyao. Aus dem Zug, den man an Länge in Deutschland nicht sehen würde selbst wenn die Weihnachtsfeiertage, Oktoberfest und der Geburtstag aller Muttis auf einen Tag fallen würde, steigen ich und eine weitere Person aus. Ich schlendere zum Bahnhofsvorplatz um (ohne Reservierung) zum Yamin Hostel zu gelangen, dass in der Altstadt von Pingyao liegt.
Ein Tuk-Tuk Fahrer frägt ob er mich fahren könne. Ich will zuerst ablehnen, als er aber auf Nachfrage will er nur 10Y haben will, schlage ich ein. Nach 5 Minuten fahrt denke ich mir, dass die 10Y wohl recht gut angelegt waren, was sich nach weiteren 5 Minuten wiederum bestätigt.
Wir erreichen das Yamin Hostel und ich trete ein. Auf Zuruf erscheinen hinter Rezeption zwei stecknadelgroße schläfrige Augen, drumherum außerdem ein Kopf. Nach kurzer Erklärung, dass ich keine Reservierung habe wird mir gesagt es gäbe kein freies Bett mehr aber ich solle es doch mal im örtlichen YHA probieren. Also fahre ich mit meinem Tuk-Tuk Chauffeur weiter durch die unbeleuchteten Straßen Pingyaos. Am YHA Hostel angekommen spielt sich die gleiche Szene Déjà-vu gleich ab. Mein Tuk-Tuk Travel Guide hat allerdings noch eine Idee. So fährt er mich zum Harmony Guesthouse wo er den Besitzer per Handy aus dem Bett holt. Dieser bietet mir in perfektem Englisch ein Dormbett an was ich natürlich nicht ablehne. Meinem Tuk-Tuk Held geb ich noch etwas Trinkgeld dann gehts ins Bett. Mal schön ausschlafen, in Pingyao geht mans ruhig an.
Gut erholt beschließe ich also erstmal ein bisschen durch die Stadt zu stampfen, denn was anderes macht man hier eigentlich nicht. Das ist genau was man sehen will, nämlich eine Stadt die sich in den letzten hundert Jahren nicht verändert hat und so auch zum UNESCO Welterbe gehört. Nebenbei hole ich mir noch ein Sleeper Zugticket das mich 28.07 um 00:09 nach Xi’an bringen soll.
Außerdem komme ich außerhalb der Stadtmauern an eine Handyshop vorbei. Da ich leider das Ladekabel für die Telefonzelle die ich bisher dabei benutze verschlampt hab musste irgendwas anderes her um eine 100% Erreichbarkeit für die Daheimgebliebenen (Mutti & Papa) sicherstellen zu können. Nach neugierigen kucken durch die Fensterscheibe werde ich bereits hereingewunken. Ein Ladekabel für den alten Schinken haben sie natürlich nicht gehabt, dafür lasse ich mir ihr billigstes Handy zeigen. Ein Nokia 2322c.
Die junge Verkäuferin und ich machen wieder in bestem Chinglisch den Deal klar (300Y) und ich lasse mir das Handy auf Englisch umstellen, sonst wäre schließlich gar nichts damit anzufangen. Hat leider kein T9 dafür aber pinyin und chin. Zeichen… vielleicht braucht mans ja mal. Eigentlich wollte ich mich ja noch mit meinen skandinavischen Compañeros treffen, welche ich aber leider weder per SMS noch per Telefon erreicht habe. So verbrachte ich den Nachmittag mit lesen und genoss das Straßenleben vor meiner Nase. Gegen Abend schlenderten Simon und Kathrin dann doch direkt an mir vorbei. Es stellte sich heraus das sie ebenfalls ich Harmony einquartiert sind und wir beschlossen uns zusammen was zum Abendessen zu suchen. Die SMS die ich ihnen geschickt habe kam an, ihre Antwort allerdings erst eineinhalb Tage später.
So suchten wir also in den Straßen nach was Leckerem und fanden schließlich eine Art Buffet was ganz toll aussah. Den Gedanken dass ich in Australien ja mit chinesischen Buffets schlechte Erfahrungen gemacht habe verdrängte ich. Schließlich ist das hier ja das richtige China.
Also ran ans Futtern. Ich nam Nudeln, nochmal andere Nudeln, sowie irgendein Grünzeug und das ich optisch nicht zuordnen konnte. Nudeln beide ok, Grünzeug war sehr ungewohnt und eher nicht so mein Fall und das Fleisch naja….. Wenig überzeugt vom Essen suchten wir also noch was anderes und fanden eine Art Pizza die nach Frühlingsrolle schmeckt. Yammi. Sowas wie Frühlingsrolle oder andere bekannte Vorspeißen hab ich übrigens noch nirgends gesehen. Im Anschluss blieben wir noch etwas auf der Straße zum Fotos schießen und auf ein Bier in die Bar gegenüber.
Ein Straßenmusikant spielt die Hits der LaBrassBanda.
Píngyáo 27.07
Für den letzten Pingyao Tag fehlt mir leider etz die Zeit, muss mal wieder nen Zug heute mal nen Bus erwischen. Viel Spaß dahin mit den Bilder.
Schöne Grüße von der Autobahn, ben
P.S.: Sorry hatte keine Zeit zum Korrekturlesen.
Klöster und Höhlen – Dàtóng 24-25.07
28. Jul
- – - Ein beschwerlicher Weg – - – Beijing -> Datong 24.07 – - -
Nach unserer kleinen Partynacht also musste ich nach einem fünfstündigen Nickerchen Mittags auschecken. Nach etwas Tratsch in der Hostelbar gings aber dann wirklich zu meiner ersten Zugfahrt
Richtung Beijing Xi Bahnhof um mit Zug K615 nach Datong zu fahren. Als Ticket hab ich einen Hard Sleeper bekommen, was weitaus bequemer ist als es der Name vermuten lässt (105Y). Zugfahrten sind bis jetzt eigentlich eines der tollsten Sachen hier. Hat ein schönes Stockbett wo man sichs bequem machen kann, oder man hängt unten auf einen der Sitze ein bisschen den Kopf aus dem Fenster. Auf jeden Fall immer ein paar Stunden in denen man einfach nichts zu tun hat und man sich mit bestem Gewissen der Lektüre oder dem Musikgenuss widmen kann.
Knappe 6 Stunden und ca. 400 km später steht dann aber doch nochmal eine Aufgabe bevor. Hostelsuche. Sicherheitshalber hat man schließlich im Vorhinein nichts gebucht, was in Datong aber auch daran liegt, dass dieses noch nicht wirklich auf viele Touristen ausgelegt ist und somit das Angebot recht mager ist. Dazu sollte man sagen dass Datong mit zwei gigantischen Kohlekraftwerken wohl bis vor dem aufkommenden Tourismus nur als Energielieferant für Beijing und für die Shanxi Provinz diente.
Naja, es ist also knapp 2200 und ich verlassen den Bahnhof um mich auf die Suche nach dem Feitian Hotel zu begeben, welches, wie es mir der LP zuflüstert, das billigste und einzige mit Dorms ist. Auf halben Weg ins Nichts werde ich allerdings von einem der Hotelanquatscher angesprochen der mir ein super Zimmer verspricht… Naja probieren kann mans ja mal. Nach kurzes Weg über eine recht verranzte Straße zeigt er mir in einem Hinterhof ein Hotel und gibt mich an die Rezeption weiter. Ein Blick auf die Preisliste lässt nichts gutes Erhoffen. Alles im dreistelligen Bereich. Da ich immer so schwer “Nein” sagen kann lass ich mir trotzdem ein Zimmer zeigen, welches sich als Doppelzimmer mit Bad für 190Y herausstellt. Hm nee, entschieden zu teuer erkläre ich in feinstem Chinglisch, womit ich es dann schon auf 150Y herunten hatte, dennoch nicht meine Klasse. Ein weiteres Doppel ohne Bad für 100Y wird begutachtet. Ja, ähm, ne auch zu teuer. Auch das letzte Angebot für 80Y lehne ich ab und geh wieder Richtung Bahnhof.
Dort greift mich der gleiche Typ allerdings wieder auf, dem ich ebenso erkläre mir sei es zu teuer und ich eigentlich das Feitian suche. Mit einem kurzem Zeig auf sein Namenschild deutet er mir er arbeite ja für dieses Hotel. Tatsächlich prangt darauf in großen Lettern Feitian Hotel, warum er mich dann erst woanders hinbringt weiß wohl nur er, aber sei es drum.
Wir gehen also wieder die gleiche Straße zurück um direkt neben dem anderen Hotel das Feitian zu finden. 60Y finde ich ganz unten auf der Liste des Aushangs, na das klingt doch schon besser, nicht? Ein Kellerzimmer wird mir gezeigt und es stellt sich heraus das das Schloss leider kaputt ist. Mit kurzer Demonstration wird allerdings vom Personal dargelegt, wie einfach sich die Kommode in der Nacht vor die Tür schieben lasst… Hm naja dafür musses ja wohl nochmal Rabatt geben. Also hab ich an der Rezeption nochmal mein Business-Chinesisch zum Besten gegeben, den Preis pro Nacht von 60 auf 50 Yuan runtergehandelt und zwei Nächte gebucht.
Als wär das nicht schon genug bietet mir ein Chinese, der sich als Simon vorstellt, in perfekten Englisch an einen Platz im Taxi morgen zu reservieren um zu den Yungang Grottoes sowie dem Hanging Monastery zu kommen. Ich sage ihm ich müsse darüber nachdenken und lasse mir seine Handynummer geben. Da es schon knapp 12 war, wollte ich nun ab in meine Kellerhöhle. Eigentlich ganz ok, Zweibettzimmer mit Bad, TV und Klima für mich allein. Wenn man vom Keller, dem defekten TV, der defekten Klimaanlage, dem defekten Schloss, der kaputten Wandverkleidung, und den Gammelspuren absieht auf jeden Fall ein guter Deal.
Nach kurzem Eingewöhnen und Auspacken rufe ich Simon an und bestätige meine Rundfahrt. Danach schiebe ich die Kommode vor die Türe und wende nach “Bronkos Safetyguide” den “Türgriff-Aschenbechertrick” an. Der Aschenbecher rutsch von der kaputten Klinke ab und zerspringt in 1000 Teile… Na gut, dann eben nicht.
Da mir in meinem Verlies nach einer vertrauten Stimme zu mute ist lege ich Dieter Bohlens “Nichts als die Wahrheit” auf und schlafe ein bevor dieser sein Abitur hat.
- – - Yungang Grottoes & Hanging Monastery – - – 25.07 – -
Früh morgens verlasse ich also nach entfernen der Sicherheitsverriegelung das Zimmer und hänge das “Do not disturb” Schildchen an den mageren Schlossrest der Türe. Nach kurzem warten in der Lobby trifft Simon ein. Weiterhin sitzen im Taxi ein weiterer Simon und Kathrin, ein Pärchen aus Dänemark.
Los gehts also zu den 65km entfernten, an einem Felshang gebauten Kloster. Die “Tour” erweist sich als äußerst angenehm da wir eigentlich nur zum Ziel geschippert werden und dort so lange bleiben wie wir wollen. Sicher lässt sich sagen, dass sowohl für das Kloster als auch die danach folgenden Höhlen mit in den Stein gemeißelten Buddhas (der größte mit knapp 16m) sehr viele Mönche wohl sehr lang gearbeitet haben. Ansonsten möchte ich auch hier eher wieder die Bilder für sich sprechen lassen.
Bei einem kleinen Zwischenstopp in einem kleinen Dörfchen müssen vor allem meine Skandinavischen Begleiter wieder als Fotomotiv herhalten und ich frage mich ob sich damit nicht Geld verdienen lassen könnte. Jedenfalls erzählen mir die selbigen dass sie am gleichen Tag noch ein Ticket nach Pingyao haben, was auch meine nächste Station sein sollte.
Als wir gegen halb 4 wieder in Datong sind beschließe ich eben auch noch ein Zug Ticket im selben
Zug zu bekommen. Da dieser allerdings ausgebucht ist bleibt mir nur der Zug um 16:40. Ok auch gut. In aller eile also zurück zum Hotel um meine Sachen aus dem Loch zu holen. Nur noch auschecken… Muss man eigentlich auschecken wenn man keinen Schlüssel hat? Hm, ich probiere es. Wieder in bestem Chinglisch verkünde ich, dass ich einen Tag früher Abreise als geplant und auschecken will. Große Augen beantworten meine Proklamation mit Unverständnis. Hm ok um die 50Y werd ich schon mal nicht kämpfen. Ich zeige der jungen Hotelfachfrau also mein Ticket zu Pingyao und sage “bye bye”. Große Augen sehen mich wieder an, und ein zögerliches “bye bye” verlässt ihren Mund.
Das genügt. Ausgecheckt. Ich laufe also mit Sack und Pack zum Bahnhof und nehmen am Weg noch pfannkuchenähnliches Brot und Wasser für die Fahrt mit. Mit den Anderen beschließe ich, dass wir uns am nächsten Tag in Pingyao treffen und was per SMS ausmachen.
Ich erreiche den Bahnhof und steige in den Zug. Aus den Lautsprechern tönt eine chinesische Ansage die ich nicht verstehe, gefolgt von fünfminütigem chinesischem Gedüdel das man aus Restaurants kennt. Das schwarzhaarige Mädchen in der 3.Etage meines Stockbetts hört über seinen Handy-Ghettoblaster Thievery Corporations “Lebanese Blonde”.
Schöne Grüße aus Xi’an und danke für die zahlreichen Kommentare!
Freue mich über alle Nachrichten aus der Heimat =)
Die großen Drei – Beijing 22-24.07
27. Jul
- – - Verbotene Stadt, Tian’amen und Sommerpalast – - – Beijing 22.07
An dem Tag nach meinem ersten kulinarischen Erfolgserlebnis zog ich also wieder los zur Verbotenen Stadt im Zentrum von Beijing. Diesmal aber sicherheitshalber so, dass ich um knapp 8
Uhr nach viel Quetschen in der U-Bahn dort ankam. Nun ja was soll ich sagen, es sah genauso aus wie am Tag zuvor. Viele Menschen, lange Schlangen am Ticketschalter der erst um halb 9 aufmacht. Ich spielte bereits mit dem Gedanken das Ganze einfach auszulassen konnte mich aber dann nicht dazu überwinden. Also anstellen, zahlen und dann rein mit mir.
Erstmal durch die Menschenmassen und die Sicherheitsschläuße mit X-Ray (die es auch an jeder U-Bahn Station gibt) gekämpft, steht man also auf einen rießigen großen Platz der allerdings in Anbetracht hunderter Tourgruppen, Schirmen und Megaphonen weder mich noch meine Kamera so ganz warm werden ließ… Hab mich also mehr oder weniger genervt über die Plätze gekämpft bis ich einmal gerade durch war. Das gute was man über 95% der chinesischen Standardtouristen sagen kann ist, dass er sich mit einem Handyfoto vor jeder “Hauptattraktion” zufrieden gibt und dann wieder abzieht. So ergab sich dann unverhofft in dem angelegten Imperial Garden sowie einigen Seitengässchen doch noch ein ruhiger Moment mit der Stadt.
Nach einiger Zeit wanderte ich wieder raus aus dem Palastgelände, um über die unterführte 16 spurige Straße zum Tian’anmen Platz zu kommen. Hier drüber geschlendert wollte ich eigentlich noch in das Mao Mausoleum wo man den großen Vorsitzenden in einem Glaskasten bewundern kann. In Anbetracht der 200m langen Warteschlange, beschloss ich das zu überspringen und stattdessen den alten Sommerpalast etwas außerhalb anzusehen. Ein bisschen grün schadet ja nie.
Hierüber gibts eigentlich nichts erstaunliches zu berichten außer, dass ich nun schon das fünfte mal als Fotomotiv für ein Familienalbum herhalten musste. Ein bisschen Exot ist man halt doch, auch in einer 18 Millionen Einwohner Stadt.
Außerdem hab ich die erste Taxifahrt gewagt, was mit Hilfe des Lonely Planet ganz gut geklappt hat. Ebenso meine erste Busfahrt mit dem man, wie auch mit der U-Bahn, zonenlos für 1Y durch die Stadt geschippert wird. War sogar angenehm genug, dass ich auf der Heimfahrt ein kleines Nickerchen im Bus gemacht hab. Wenn das kein Wohlfühlindikator für eine Stadt ist?
Abends also wieder im Hostel angekommen machten wir zu siebt einen kleinen Ausflug in ein nahe gelegenes Restaurant. Das Gute ist, dass jeder ein Gericht bestellt man aber nur kleine Tellerchen bekommt und dann alles geteilt wird. Gab also verschiedenste Sachen von Hähnchen bis Lamm und Tofu bis Reis. Das komischte waren wohl die Soja-Enteneier. Die Eier sind hart gekocht und werden in Sojasoße gelegt (weiß weder in welcher Reihenfolge noch wie lang). Jedenfalls erhält man dann schwarze kleine Eier die etwas Überwindung kosten, aber auch nicht schmecken wie normale Eier, also alles ok. Kosten für jeden 18Y, hätten aber sicher 10 Leute von allem satt werden können.
Aus den Lautsprechern der Kneipe gegenüber dröhnen die Gorillaz featuring De La Soul mit Feel Good Inc.
- – - Chinesische Mauer – - – 120km nördlich Beijing 23.07
Ein weiteres “must see” in Beijing ist natürlich die Chinesische Mauer. Da ich aber nicht zu den überfüllten Teilen nahe der Stadt wollte, gönnte ich mir eine Tour mit dem Hostel, welche aber eigentlich nur für den Transport sowie Futter davor und danach sorgte.
Um 6 Uhr morgens fuhren wir also los Richtung Norden um nach knapp 3 Stunden Fahrt in der Nähe von Simatai anzukommen. Vom Parkplatz aus waren es 10 leichte und 5 super anstrengende Minuten hoch zur Mauer. Die lange Fahrt hatte sich auf jeden Fall gelohnt denn es waren außer uns wirklich nur vereinzelt andere Leute unterwegs. Was kann man also über die Mauer sagen… Sie scheint sich wie ein Wurm ewig über die Hügel zu ziehen und so anstrengend ist es auch sich auf ihr fortzubewegen. Brutal Steile Passagen bei 33° und 65% Luftfeuchtigkeit bringen einen ganz schön ins schwitzen. Denke aber hier sprechen die Bilder am ehesten für sich selbst.
Nach drei Stunden klettern und einem Mittagessen fuhren wir wieder zurück um um 1700 im Hostel anzukommen. Dort beschlossen Mike, Maggi (USA, Ca) und noch eine paar andere erst futtern und gegen 9 in eine Bar mit dem Namen “D22” nahe der Uni aufzubrechen.
Diese stellte sich dann, für mich etwas überraschend, als Underground Bar für Beijinger Punk Bands heraus. Nun darf man das nur nicht mit dem Bild deutscher Assel Punks vergleichen, sondern naja sehen eigentlich optisch (Kleidungsstil, Haare) auch nicht anders aus wie der Rest. Machen eben Hard Rock / Punk.
Auch wenn das ja sonst nicht unbedingt mein Musikgeschmack ist wurde es ein recht lustiger Abend, den wir nach der letzten Band in paar anderen Bars fortsetzten wollten. Dürft mich jetzt leider nicht fragen wo das genau war oder wie es hieß, sind mit dem Taxi hin. So gegen 4 Uhr beschlossen wir noch kurzerhand uns die Flaggenzeremonie am Tian’amen anzusehen. Die geschieht nach strengem Protokoll täglich bei Sonnenaufgang mit Nationalhymne und vielen Zuschauer. Nach diesem, für unsere einheimischen Mitstreiter rührenden Moment, fuhren wir nun aber doch wieder zum Hostel um ins Bett zu gehen. Ich schlafe bevor ich den MP3 auch nur anbekomme, schließlich muss ich ja auch meinen Zug nach Datong um 1500 Uhr erwischen. Davon aber das nächste Mal mehr.
Frische Bilder gibts natürlich auch: GO GO GO
Weiterhin schöne Grüße aus Pingyao, Ben
Aller Anfang… – Beijing 20/21.07
26. Jul
Erst mal ein kleines Sorry für die Verspätung aber das Internet im Hostel war echt schrecklich ausßerem gabs ebenso immer schrecklich viel zu tun. Dafür gehts jetzt los.
—- 21.07 —- Ankunft Beijing —-
Wie bereits kurz berichtet bin ich am Dienstag ca. 1700 im Hostel angekommen. Flug mit Emirates war toll, gutes Essen und Filme die ausreichen würden um acht mal die Welt zu umrunden. Vom Flughafen aus gings dann also mit dem wohl zur Olympiade frisch gebauten Airport Express in die City und nach einem U-Bahn Umstieg, 5 Stationen und 2km Fußmarsch war ich auch schon im Hostel. Einzige Tagesaufgabe war es nun noch eine SIM-Karte zu besorgen, damit sich Mutti auch keine Sorgen machen muss. Hab diese dann auch in einem kleinen Laden gefunden. Hab also erstmal in meinem feinsten Mandarin versucht eine zu ergattern, nachdem ich nach der ersten Nachfrage des Verkäufers aber wohl ziemlich doof aus der Wäsche kuckte, schaltete ein weitere Kunde ein und half mir mit Englisch “etwas” aus =)
Somit also auch meine offizielle China Mobile Nummer: 0086-13-439-163-772
Günstige Vor-Vorwahlen gibts hier z.B. 01052 (1,65ct/min) 01045 (1,13ct/min). Sind alle mit Tarifansage, ihr hört also vorher was ihr zahlt.
Da sich meine doch noch sehr europäische Nase dem Strassenfutter im Viertel etwas widersetzte, beschloss ich auf das Abendessen zu verzichten und dafür ins Bettchen zu gehen um früh am nächsten Tag aufbrechen zu können.
Ich höre “The Humble Borthers – Metropolis”.
—- 22.07 —- Große Parkrunde und Futter —-
Um kurz vor 8 gings los in die große Stadt. Mir wurde gesagt dass die Verbotene Stadt, welche um
8.30 seine Pforten öffnet, wohl recht voll zur Zeit ist, deswegen gilt je früher desto besser. War also um kurz vor 9 da, aber dass dann doch schon soooo viel los ist hab ich nicht erwartet. Schnell wird einem Bewusst, dass wenn ein 1,3 Milliarden Chinesen Ferien haben, man an den Touristen Hotspots wohl wenig ruhigen Minuten findet. Nun ja also erstmal über die ersten Plätze des Palasts gekämpft, welche noch keinen Eintritt kosten, allerdings wurde mir das schnell zu doof und beschloss das ganze auch morgen zu verschieben. So schlug ich den Weg zur großen Parkrunde (Zhongshan / Beihai / Jingshan) um den Palast ein und genoss ein wenig chinesische Gartenbaukunst kombiniert mit einem mehrkilometrigen Fußmarsch.
Irgendwann gegen Nachmittag erinnerte mich mein Magen daran dass ich ja doch seit Ankunft nichts mehr gegessen habe. hmm… also eine Blick in den Lonely Planet der mir uneingeschränkt das “Qianmen Quanjude Roast Duck Restaurant” empfiehlt. Liegt zwar auch gute 30 Minuten entfernt aber was tut man nicht alles für ne gute Ente. Das ganze sollte sich in Wangfujing befinden was so eine der großen Shoppingstraßen ist. Das Restaurant hab ich zwar nicht gefunden dafür aber die Gourmet Street, was ein Galeria Kaufhof ähnlicher Futterkeller ist. So konnte ich mir zumindest in aller Ruhe ein Übergangsessen aussuchen, das zumindest optisch den deutschen Chinafutter ähnelt. Die Wahl fiel dann auf Nudeln mit Ente was aber wirklich auch das einzige war was irgendwie gewohnt aussah. Geschmacklich zwar dennoch ganz anders aber für den Anfang okay, Kostenpunkt 22Y (~2,4€).
So gestärkt gings zurück zum Hostel um in der Bar die Füße zu erholen.
Dort lernte ich auch Mike (USA/Kalifornien) und Christus (Griechenland) kennen mit denen es dann nochmal zu einen Mitternachtssnack zu einem Stand um die Ecke ging. Die Chance hier eine kleine Einführung zu bekommen konnte ich mir schließlich nicht entgehen lassen.
Gab also eine Art HotPot: Man sucht sich ein paar Spieße mit Gemüse/Pilze… aus und gibt sie dem Verkäufer der sie dann in spurdelnd heißem Öl bruzelt. Yammi! Gibts auch mit Fleischspieße, die werden dann allerdings auf einer Art heißem Stein gegrillt. DoppelYammi! Kosten: Veggispieß: 1Y, Fleischspieß: 2Y, Bier(Tsingtao 0,6l): 3Y.
Im iPod läuft Deserted von Andy Brick.
Da ich eure Lesemuskeln nicht überanstrengen will wars das für heute, morgen gibts dafür neues und ach ja Bilder sind auch online =)
Schöne Grüße aus dem schönen Datong, Ben
Gedanken zu China – Beijing
20. Jul
Nach den ersten Stunden:
- Ich werde hier viel schwitzen
- Meine Nase sagt ich wäre damit nicht der einzige
- Strecken, die auf der Karte sehr klein aussehen, können sehr lang werden
- Englisch bringt hier, außer in z.b. Hotels, nichts
- Elektroroller sind voll im Trend
- Nicht höhrbare Eelektroroller ohne Licht in einer kleinen Gasse sind gefährlich
- Das Straßennetz kennt ausschließlich ein- oder sechsspurige Straßen
- Fahrräder und Roller haben neben der Sechsspurigen eine eigene Spur
- Auch chinesische Hostelbesitzer wissen, dass sich etwas besser verkaufen lässt wenn man es nur gut fotografiert (dazu bald mehr)
Ansonsten: Bin gut angekommen, Flug gut, Essen gut, Wetter gut, Hostel gut. Alles noch ein bisschen viel gerade, deswegen gehts etz erstmal ins Bettchen Jetlag ausschlafen.
Internet im Hostel is nicht so der Knüller, bricht immer ab. Skypen ist im moment also etwas schwer, werd mir morgen aber was besseres suchen, dann gibts auch Bilder.
Achja, noch was an die Techies:
Vielleicht findet wer ne funktionierende Methode die Chinesische Mauer (Firewall) zu umgehen. Hab heute Tor getestet was aber (zumindest vom Hostek aus) nicht geklappt hat. Alternative wär wohl VPN/Proxy. Tipps oder sonstiges bitte per Mail =) Danke!
Bis dann also…
