- – - Ein beschwerlicher Weg – - – Beijing -> Datong 24.07 – - -

Nach unserer kleinen Partynacht also musste ich nach einem fünfstündigen Nickerchen Mittags auschecken. Nach etwas Tratsch in der Hostelbar gings aber dann wirklich zu meiner ersten Zugfahrt datong_153 Richtung Beijing Xi Bahnhof um mit Zug K615 nach Datong zu fahren. Als Ticket hab ich einen Hard Sleeper bekommen, was weitaus bequemer ist als es der Name vermuten lässt (105Y). Zugfahrten sind bis jetzt eigentlich eines der tollsten Sachen hier. Hat ein schönes Stockbett wo man sichs bequem machen kann, oder man hängt unten auf einen der Sitze ein bisschen den Kopf aus dem Fenster. Auf jeden Fall immer ein paar Stunden in denen man einfach nichts zu tun hat und man sich mit bestem Gewissen der Lektüre oder dem Musikgenuss widmen kann.
Knappe 6 Stunden und ca. 400 km später steht dann aber doch nochmal eine Aufgabe bevor. Hostelsuche. Sicherheitshalber hat man schließlich im Vorhinein nichts gebucht, was in Datong aber auch daran liegt, dass dieses noch nicht wirklich auf viele Touristen ausgelegt ist und somit das Angebot recht mager ist. Dazu sollte man sagen dass Datong mit zwei gigantischen Kohlekraftwerken wohl bis vor dem aufkommenden Tourismus nur als Energielieferant für Beijing und für die Shanxi Provinz diente.
Naja, es ist also knapp 2200 und ich verlassen den Bahnhof um mich auf die Suche nach dem Feitian Hotel zu begeben, welches, wie es mir der LP zuflüstert, das billigste und einzige mit Dorms ist. Auf halben Weg ins Nichts werde ich allerdings von einem der Hotelanquatscher angesprochen der mir ein super Zimmer verspricht… Naja probieren kann mans ja mal. Nach kurzes Weg über eine recht verranzte Straße zeigt er mir in einem Hinterhof ein Hotel und gibt mich an die Rezeption weiter. Ein Blick auf die Preisliste lässt nichts gutes Erhoffen. Alles im dreistelligen Bereich. Da ich immer so schwer “Nein” sagen kann lass ich mir trotzdem ein Zimmer zeigen, welches sich als Doppelzimmer mit Bad für 190Y herausstellt. Hm nee, entschieden zu teuer erkläre ich in feinstem Chinglisch, womit ich es dann schon auf 150Y herunten hatte, dennoch nicht meine Klasse. Ein weiteres Doppel ohne Bad für 100Y wird begutachtet. Ja, ähm, ne auch zu teuer. Auch das letzte Angebot für 80Y lehne ich ab und geh wieder Richtung Bahnhof.
Dort greift mich der gleiche Typ allerdings wieder auf, dem ich ebenso erkläre mir sei es zu teuer und ich eigentlich das Feitian suche. Mit einem kurzem Zeig auf sein Namenschild deutet er mir er arbeite ja für dieses Hotel. Tatsächlich prangt darauf in großen Lettern Feitian Hotel, warum er mich dann erst woanders hinbringt weiß wohl nur er, aber sei es drum.
Wir gehen also wieder die gleiche Straße zurück um direkt neben dem anderen Hotel das Feitian zu finden. 60Y finde ich ganz unten auf der Liste des Aushangs, na das klingt doch schon besser, nicht? Ein Kellerzimmer wird mir gezeigt und es stellt sich heraus das das Schloss leider kaputt ist. Mit kurzer Demonstration wird allerdings vom Personal dargelegt, wie einfach sich die Kommode in der Nacht vor die Tür schieben lasst… Hm naja dafür musses ja wohl nochmal Rabatt geben. Also hab ich an der Rezeption nochmal mein Business-Chinesisch zum Besten gegeben, den Preis pro Nacht von 60 auf 50 Yuan runtergehandelt und zwei Nächte gebucht.
Als wär das nicht schon genug bietet mir ein Chinese, der sich als Simon vorstellt, in perfekten Englisch an einen Platz im Taxi morgen zu reservieren um zu den Yungang Grottoes sowie dem Hanging Monastery zu kommen. Ich sage ihm ich müsse darüber nachdenken und lasse mir seine Handynummer geben. Da es schon knapp 12 war, wollte ich nun ab in meine Kellerhöhle. Eigentlich ganz ok, Zweibettzimmer mit Bad, TV und Klima für mich allein. Wenn man vom Keller, dem defekten TV, der defekten Klimaanlage, dem defekten Schloss, der kaputten Wandverkleidung, und den Gammelspuren absieht auf jeden Fall ein guter Deal.
Nach kurzem Eingewöhnen und Auspacken rufe ich Simon an und bestätige meine Rundfahrt. Danach schiebe ich die Kommode vor die Türe und wende nach “Bronkos Safetyguide” den “Türgriff-Aschenbechertrick” an. Der Aschenbecher rutsch von der kaputten Klinke ab und zerspringt in 1000 Teile… Na gut, dann eben nicht.
Da mir in meinem Verlies nach einer vertrauten Stimme zu mute ist lege ich Dieter Bohlens “Nichts als die Wahrheit” auf und schlafe ein bevor dieser sein Abitur hat.

- – - Yungang Grottoes & Hanging Monastery – - – 25.07 – -
Früh morgens verlasse ich also nach entfernen der Sicherheitsverriegelung das Zimmer und hänge das “Do not disturb” Schildchen an den mageren Schlossrest der Türe. Nach kurzem warten in der Lobby trifft Simon ein. Weiterhin sitzen im Taxi ein weiterer Simon und Kathrin, ein Pärchen aus Dänemark. datong_106 Los gehts also zu den 65km entfernten, an einem Felshang gebauten Kloster. Die “Tour” erweist sich als äußerst angenehm da wir eigentlich nur zum Ziel geschippert werden und dort so lange bleiben wie wir wollen. Sicher lässt sich sagen, dass sowohl für das Kloster als auch die danach folgenden Höhlen mit in den Stein gemeißelten Buddhas (der größte mit knapp 16m) sehr viele Mönche wohl sehr lang gearbeitet haben. Ansonsten möchte ich auch hier eher wieder die Bilder für sich sprechen lassen.
Bei einem kleinen Zwischenstopp in einem kleinen Dörfchen müssen vor allem meine Skandinavischen Begleiter wieder als Fotomotiv herhalten und ich frage mich ob sich damit nicht Geld verdienen lassen könnte. Jedenfalls erzählen mir die selbigen dass sie am gleichen Tag noch ein Ticket nach Pingyao haben, was auch meine nächste Station sein sollte.
Als wir gegen halb 4 wieder in Datong sind beschließe ich eben auch noch ein Zug Ticket im selben datong_088 Zug zu bekommen. Da dieser allerdings ausgebucht ist bleibt mir nur der Zug um 16:40. Ok auch gut. In aller eile also zurück zum Hotel um meine Sachen aus dem Loch zu holen. Nur noch auschecken… Muss man eigentlich auschecken wenn man keinen Schlüssel hat? Hm, ich probiere es. Wieder in bestem Chinglisch verkünde ich, dass ich einen Tag früher Abreise als geplant und auschecken will. Große Augen beantworten meine Proklamation mit Unverständnis. Hm ok um die 50Y werd ich schon mal nicht kämpfen. Ich zeige der jungen Hotelfachfrau also mein Ticket zu Pingyao und sage “bye bye”. Große Augen sehen mich wieder an, und ein zögerliches “bye bye” verlässt ihren Mund.
Das genügt. Ausgecheckt. Ich laufe also mit Sack und Pack zum Bahnhof und nehmen am Weg noch pfannkuchenähnliches Brot und Wasser für die Fahrt mit. Mit den Anderen beschließe ich, dass wir uns am nächsten Tag in Pingyao treffen und was per SMS ausmachen.

Ich erreiche den Bahnhof und steige in den Zug. Aus den Lautsprechern tönt eine chinesische Ansage die ich nicht verstehe, gefolgt von fünfminütigem chinesischem Gedüdel das man aus Restaurants kennt. Das schwarzhaarige Mädchen in der 3.Etage meines Stockbetts hört über seinen Handy-Ghettoblaster Thievery Corporations “Lebanese Blonde”.

Bilder hier entlang

Schöne Grüße aus Xi’an und danke für die zahlreichen Kommentare!
Freue mich über alle Nachrichten aus der Heimat =)