- – - Völkerschlacht – - – Datong -> Pingyao 25.07

So geht es also weiter im Zug in die Nacht hinein. Mein heutiger Waggon stammt wohl leider noch aus Revolutionszeiten und ist statt mit Klimaanlage mit Ventilatoren ausgestattet. Immerhin ich hab ich eine Zelle mit funktionsfähigem erwischt. Man muss ja immer alles positiv sehen.

So sitze ich also bei entspannten 28° im Gang und lasse wie ein großer Bernhardiner Kopf und Zunge im Fahrtwind wedeln. Als ich die Schweißproduktion auf ein Minimum reduziert habe widme ich mich meinem Pfannkuchenbrot das ich Elbenbrot getauft habe. Mal sehen ob sich das etabliert…
So gesellt sich eine Dame mittleren Alters zu meiner Tafelrunde und bietet mir eines der bereits erwähnten Sojaeier an. Einziges Problem dabei war, dass es etwa nicht ein schönes tolles Ei ist, sondern drei Stück zusammen und zerbröselt in eine Tüte eingeschweißt sind. Meine europäisches Hirnareal schlägt sofort Alarm und ich lehne diplomatisch den Tütenauflauf ab. Doch sie bleibt hart wie Nikita Chruschtschow in der Kubakrise nur dass ihr kein Kennedy, sondern ein Ben gegenüber sitzt. Eine eigene Quarantäne Zone scheint nicht mehr möglich und das Brößeleiweiß schippert immer weiter in meine Richtung. Das Immunsystem geht auf DEFCON 2 um eine imminente Salmonellenattacke mit allen Mitteln abwehren zu können. Schließlich kann ich dem Druck nicht mehr stand halten und nehme eins.
Hmmm, etwas schwitzig.. ansonsten wie gekochtes Ei (wer hätte das erwartet -.-)

Ok erste Hürde geschafft, doch als wäre das nicht genug gesellt sich eine weitere Frau aus Zelle 13 zu uns und gibt mir irgendeine Frucht, welche ganz toll zum Elbenbrot schmecken soll. Grüne, profillose Schale, gelbe Kerne mit orangefarbenem Fruchtsabber drumrum, ziemlich hart, etwas größer als eine Avocado. Es scheint eine Art Volkssport Fremdlingen eigentümliche Sachen zu geben.
Ich lasse mir also erklären wie das Ding zu essen sei. In der Mitte aufbrechen, Kerne nicht Essen sondern aus dem Fenster schmeißen und dann einfach reinbeißen. Hm scheint etwas von Honigmelone zu haben nur härter und naja ich hab eigentlich nach wie vor keine Ahnung, war aber auch nicht schlecht. Nach so viel Neuem dachte ich natürlich sofort an einen Vergeltungsschlag wie ihn China noch nicht gesehen hat. Zuversichtlich holte ich meine interkontinentale Haribo-Roulette-Rakete aus dem Rucksack um ein Stück deutsche Süßigkeitenkunst in die Welt hinauszutragen. Ich offerierte also die grün-gelb-rot-weißen Scheiben meinen Mitreisenden, welche aber allesamt ablehnten. Auch weiteres Zutun half nichts… Wie gesagt kein Kennedy und chinesisch noch dazu.

Ein weiteres tolles an chinesischen Sleeper Zügen ist, dass man keine Angst haben muss seine Station zu verpassen. Man gibt sein Ticket einem Schaffner, den es in jedem Waggon mindestens einmal gibt, und bekommt dafür eine kreditkartenähnliche Plastikkarte auf der ebenfalls Waggon, Zelle und Bett steht. Der Schaffner ordnet das Ticket ordentlich in eine Mappe ein und vor jeder Station checkt er ob jemand aussteigen muss. Dieser wird dann geweckt und es wird wieder zurückgetauscht. Toll!
So ging ich also in mein Bett im Zweiten und schlummerte vor mich hin.

- – - Wilde Nacht, ruhiger Tag  – - – Píngyáo 26.07

00:00 Uhr. Ich werde geweckt.
Die Lichter in den Abteilen sind inzwischen aus. Der Ventilator dröhnt und zieht unendlich seine Kreise. Ich tausche die Karten, suche mein Zeug zusammen und tappse in voller Montur Richtung Ausgang.
Bahnhof Pingyao. Aus dem Zug, den man an Länge in Deutschland nicht sehen würde selbst wenn die Weihnachtsfeiertage, Oktoberfest und der Geburtstag aller Muttis auf einen Tag fallen würde, steigen ich und eine weitere Person aus. Ich schlendere zum Bahnhofsvorplatz um (ohne Reservierung) zum Yamin Hostel zu gelangen, dass in der Altstadt von Pingyao liegt.
Ein Tuk-Tuk Fahrer frägt ob er mich fahren könne. Ich will zuerst ablehnen, als er aber auf Nachfrage will er nur 10Y haben will, schlage ich ein. Nach 5 Minuten fahrt denke ich mir, dass die 10Y wohl recht gut angelegt waren, was sich nach weiteren 5 Minuten wiederum bestätigt. pingyao_081 Wir erreichen das Yamin Hostel und ich trete ein. Auf Zuruf erscheinen hinter Rezeption zwei stecknadelgroße schläfrige Augen, drumherum außerdem ein Kopf. Nach kurzer Erklärung, dass ich keine Reservierung habe wird mir gesagt es gäbe kein freies Bett mehr aber ich solle es doch mal im örtlichen YHA probieren. Also fahre ich mit meinem Tuk-Tuk Chauffeur weiter durch die unbeleuchteten Straßen Pingyaos. Am YHA Hostel angekommen spielt sich die gleiche Szene Déjà-vu gleich ab. Mein Tuk-Tuk Travel Guide hat allerdings noch eine Idee. So fährt er mich zum Harmony Guesthouse wo er den Besitzer per Handy aus dem Bett holt. Dieser bietet mir in perfektem Englisch ein Dormbett an was ich natürlich nicht ablehne. Meinem Tuk-Tuk Held geb ich noch etwas Trinkgeld dann gehts ins Bett. Mal schön ausschlafen, in Pingyao geht mans ruhig an.

Gut erholt beschließe ich also erstmal ein bisschen durch die Stadt zu stampfen, denn was anderes macht man hier eigentlich nicht. Das ist genau was man sehen will, nämlich eine Stadt die sich in den letzten hundert Jahren nicht verändert hat und so auch zum UNESCO Welterbe gehört. Nebenbei hole ich mir noch ein Sleeper Zugticket das mich 28.07 um 00:09 nach Xi’an bringen soll.
Außerdem komme ich außerhalb der Stadtmauern an eine Handyshop vorbei. Da ich leider das Ladekabel für die Telefonzelle die ich bisher dabei benutze verschlampt hab musste irgendwas anderes her um eine 100% Erreichbarkeit für die Daheimgebliebenen (Mutti & Papa) sicherstellen zu können. Nach neugierigen kucken durch die Fensterscheibe werde ich bereits hereingewunken. Ein Ladekabel für den alten Schinken haben sie natürlich nicht gehabt, dafür lasse ich mir ihr billigstes Handy zeigen. Ein Nokia 2322c.
pingyao_010 Die junge Verkäuferin und ich machen wieder in bestem Chinglisch den Deal klar (300Y) und ich lasse mir das Handy auf Englisch umstellen, sonst wäre schließlich gar nichts damit anzufangen. Hat leider kein T9 dafür aber pinyin und chin. Zeichen… vielleicht braucht mans ja mal. Eigentlich wollte ich mich ja noch mit meinen skandinavischen Compañeros treffen, welche ich aber leider weder per SMS noch per Telefon erreicht habe. So verbrachte ich den Nachmittag mit lesen und genoss das Straßenleben vor meiner Nase. Gegen Abend schlenderten Simon und Kathrin dann doch direkt an mir vorbei. Es stellte sich heraus das sie ebenfalls ich Harmony einquartiert sind und wir beschlossen uns zusammen was zum Abendessen zu suchen. Die SMS die ich ihnen geschickt habe kam an, ihre Antwort allerdings erst eineinhalb Tage später.
So suchten wir also in den Straßen nach was Leckerem und fanden schließlich eine Art Buffet was ganz toll aussah. Den Gedanken dass ich in Australien ja mit chinesischen Buffets schlechte Erfahrungen gemacht habe verdrängte ich. Schließlich ist das hier ja das richtige China.

Also ran ans Futtern. Ich nam Nudeln, nochmal andere Nudeln, sowie irgendein Grünzeug und das ich optisch nicht zuordnen konnte. Nudeln beide ok, Grünzeug war sehr ungewohnt und eher nicht so mein Fall und das Fleisch naja….. Wenig überzeugt vom Essen suchten wir also noch was anderes und fanden eine Art Pizza die nach Frühlingsrolle schmeckt. Yammi. Sowas wie Frühlingsrolle oder andere bekannte Vorspeißen hab ich übrigens noch nirgends gesehen. Im Anschluss blieben wir noch etwas auf der Straße zum Fotos schießen und auf ein Bier in die Bar gegenüber.
Ein Straßenmusikant spielt die Hits der LaBrassBanda.

Píngyáo 27.07

Für den letzten Pingyao Tag fehlt mir leider etz die Zeit, muss mal wieder nen Zug heute mal nen Bus erwischen. Viel Spaß dahin mit den Bilder.

Schöne Grüße von der Autobahn, ben

P.S.: Sorry hatte keine Zeit zum Korrekturlesen.